Ferien im Val Müstair, Schweiz.

Isidor Sepp

Biobauer und Lama-Flüsterer aus Leidenschaft

Isidor Sepp aus dem Val Müstair ist Biobauer und «Touristiker», respektive Vermittler zwischen Stadt und Land, beides schon seit langem. Gemeinsam mit Frau und Kindern betreibt er einen Hof in Müstair, wo er eine Ferienwohnung, ein Massenlager, Schlafen im Stroh und Lamatrekkings anbietet. Im Winter nimmt er die Gäste gerne mit auf Schneeschuhtouren. Ihm gefallen Austausch und Kontakt mit den Gästen und wenn er dabei noch ein paar selbstgemachte Salsiz oder Fleisch vom Hof verkaufen kann – umso besser.

Mehr über Isidor Sepp

 

«Touristiker» und Landwirt mit Leib und Seele

Mit einem leisen Pfiff holt Isidor Sepp die Lamas von der Weide. Folgsam traben sie herbei und lassen sich das Halfter anziehen. Darauf erklärt der Lamabauer die wichtigsten Verhaltensregeln, wie zum Beispiel nicht schreien oder kreischen und Autorität ausstrahlen und schon geht’s los auf das Schnupper-Lama-Trekking.
Isidor Sepp aus dem Val Müstair ist Bauer und «Touristiker», respektive Vermittler zwischen Stadt und Land, beides mit Herzblut und viel Begeisterung. Gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Söhnen betreibt er in Müstair einen Biobauernhof – mit sechs Lamas. Die sind allerdings eher das Tüpfelchen aufs i respektive das Sahnehäubchen, genauso wie die Handvoll Ziegen, die auch im Sommer vor dem Stall weiden. Grundsätzlich hält Sepp 30 Mutterkühe samt Kälbern und einen Stier. Über den Winter tummeln sie sich in seinem Stall, den Sommer verbringen die Tiere auf den Alpen im Val Müstair. Der Stall ist kein ganz gewöhnlicher, keiner wie man ihn sonst kennt, sondern eher eine Halle, ergänzt durch einen Unterstand. Dem Tierwohl tue das überhaupt keinen Abbruch, den hohen Kosten für einen neuen Stall hingegen schon, erklärt Sepp. Und da ist es zum ersten Mal, das Funkeln in seinen Augen und das verschmitzte Lächeln.
2010 hätten sie die ganze Landwirtschaft von Grund auf neu gebaut und nicht nur auf tiefe Kosten sondern auch auf eine gute Eignung für den Tourismus geachtet. Denn auf diesem Gebiet ist er schon lange tätig, wie er erklärt: «1998 haben wir mit «Schlafen im Stroh» begonnen, damals war Agrotourismus in der Schweiz noch kaum bekannt.» Der Erfolg stellte sich rasch ein und bewog die Sepps auf dieser Schiene weiter zu fahren. 

 

Vom Skilehrer zum Tourismus-Unternehmer

Begonnen im Tourismus hat er, wie so mancher anderer Bauer auch, als Skilehrer. Während Jahren unterrichtete er Gäste auf Minschuns, dem Skigebiet im Val Müstair. Andere Menschen hätten ihn schon immer interessiert und den Austausch mit ihnen fand und findet er wertvoll, sagt Sepp. Tatsächlich entspricht er keineswegs dem Klischee des grummeligen und in sich gekehrten Berglers: Sepp ist eloquent und unterhaltsam, Schalk und Witz stehen ihm ins Gesicht geschrieben.
Keine Frage, dass seine Art bei den Gästen gut ankommt, was auch wichtig ist. Denn Gäste haben sie viele auf dem Hof, weil sie das entsprechende Angebot geschaffen haben. Dazu gehören eine Gruppenunterkunft im Massenlager mit acht Plätzen, Schlafen im Stroh mit sechs Plätzen und eine Ferienwohnung mit bis zu acht Betten. Rund 1000 Übernachtungen jährlich generieren die Sepps mit ihren Angeboten. Und weil sich die Sepps mit dem Verlängern der Wertschöpfungskette auskennen, bieten sie den Gästen nicht nur die Unterkunft, sondern auch gerade noch die Verpflegung an – im eigenen Hofladen. 
Dort können sich die Leute mit Fleisch in Natura-Beef-Qualität eindecken. Es gibt aber auch Salsiz zu kaufen, Wein aus der Herrschaft in Bio-Qualität und Nusstorten aus dem Tal. Und weil gegenüber seines Hofes gerade noch der Campingplatz liegt, muss der Bauer Gefriertruhe und Kühlschrank im Sommer häufig nachfüllen. 
Überhaupt ist der Sommer touristisch gesehen die Hochsaison für die Sepps. Das Massenlager beispielsweise ist im Winter gar nicht in Betrieb, da dient es dem Bauern als geräumige und wohltemperierte Umkleide. Des Bauern touristische Aktivitäten beschränken sich zur kalten Jahreszeit nicht mehr aufs Skilehrern, sondern primär auf Schneeschuhtouren, am liebsten mit den Gästen der eigenen Ferienwohnung. Ein Rundum-Paket also.

 

Zahme und genügsame Lamas

Im Sommer stehen vor allem Braulio, Shelly, Sandro, Edelweiss, Heidi und Nevada im Mittelpunkt. So heissen die Lamas, welche Sepp seit 2007 auf seinem Hof hält, um Schnupper-Trekkings anbieten zu können. Ursprünglich stammen die Tiere aus Südamerika, wo sie vor allem als Lastenträger und als Fleischlieferanten dienen. Sepp hat seine Truppe aber bereits in der Schweiz gekauft. Sie seien sehr anspruchslos in der Haltung und frässen bloss etwa zwei Kilogramm Heu pro Tag. Und was auch praktisch sei, ergänzt er, sie koten immer auf denselben Haufen, was das Ausmisten ungemein erleichtere.
Noch immer umringen die sechs Lamas Isidor Sepp, der sie etwas striegelt bevor es dann auf die Tour geht. Der Stolz auf seine Tiere ist ihm gut anzumerken. «Ich kann alle Tiere am selben Pfosten festbinden, ohne dass sie ein Durcheinander veranstalten. Bei Pferden oder nur schon Eseln würde das nie funktionieren», lässt er die Anwesenden an seiner Freude teilhaben. Kleine Liebkosungen zwischen Lamas und Herrchen gehören da ebenfalls dazu. 
Jetzt erst bindet er sie los und übergibt jedes Tier einem Teilnehmenden des Schnupper-Trekkings. Darunter sind auch zwei etwa neunjährige Knaben. Beide etwas nervös, plötzlich ein so grosses Tier führen zu müssen. Dies bemerken die Lamas relativ rasch und testen sofort aus, wer nun über mehr Autorität verfügt. Das sei normal, erklärt Isidor, wird dann aber doch etwas energisch, als einer der Knaben seiner Nervosität durch gellende Schreie Ausdruck verleiht. Doch nach einigen Metern in der Gruppe mit den Lamas am Seil überträgt sich die Ruhe, welche die Tiere eigentlich ausstrahlen auch auf die Kleinsten in der Gruppe. Das mit der Autorität klappt dann ebenfalls immer besser und das Lama-Trekking entwickelt sich zum unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten. Ganz im Sinne von Isidor Sepp, Touristiker und Landwirt mit Leib und Seele.
 

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